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19. Januar 2026, erzählt von Patrick

Deine Dosis Optimismus für heute: ein kleiner Reminder, wie gut wir es haben. Wir könnten die erste Generation sein, die Wohlstand und Umweltschutz meistert.

Wir verfolgen Hannah Ritchies Arbeit schon seit einiger Zeit. Ohne ihren Artikel „Eliminating contrails from flying could be incredibly cheap“ hätte es unsere Petition an die Lufthansa AG nicht gegeben. Und ehrlich gesagt: In einer Welt voller Weltuntergangsmeldungen ist sie so etwas wie ein frischer Wind. Wer sie nicht kennt, Hannah Ritchie ist Datenwissenschaftlerin, Senior Researcher der Uni Oxford und stellvertretende Chefredakteurin von Our World in Data. Du könntest sie aber auch von „By the Numbers“ kennen. Ein recht aktueller Artikel von ihr lautet „Can we break the human development-environment trade-off?“ und ist wieder so ein Stück, das man jedem unter die Nase halten möchte, der gerade in Klimadepression versinkt.


Die Wahrheit über „die guten alten Zeiten“

Ritchies Kernthese in diesem Artikel wird nicht jedem schmecken: Wir Menschen hatten noch nie einen Zustand, in dem wir a) nachhaltig lebten und b) die Vorzüge von Wohlstand genießen konnten. OK, unsere Vorfahren haben zwar weniger CO₂ ausgestoßen – aber die Hälfte aller Kinder starb vor der Pubertät. Eine Familie anno 1800 mit sechs Kindern musste im Schnitt drei davon begraben. Das war keine düstere Ausnahme, das war der weltweite Normalzustand über die Jahrtausende hinweg – ob in Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften, im Römischen Reich oder im mittelalterlichen Europa. Heute liegt die globale Kindersterblichkeit bei 4 Prozent. In Deutschland bei 0,3 Prozent. Das ist nicht nur Fortschritt, das ist ein Wunder. Und es zeigt: Die romantische Vorstellung vom „Leben im Einklang mit der Natur“ verschleiert die harte Realität – für die meisten Menschen war dieses Leben kurz, hart und oft tragisch..

Besonders spannend wird Ritchies Argument, wenn man es auf Deutschland anwendet. Wäre unser Ruhrpott-Kind Michi ein paar Jährchen früher geboren – und wäre er dann auch in NRW geblieben – hätte er da noch die Smog-Alarme, die grauen Fassaden und den sauren Regen live erlebt. Die Ruhr war um 1980 praktisch eine offene Kloake. Heute schwimmen wieder Lachse darin. Der Himmel über dem Ruhrgebiet ist meistens ganz ansehnlich.

Das kam nicht von allein. Es war das Ergebnis von Katalysatoren, Rauchgasentschwefelung, Kläranlagen – und auch von unbequemen politischen Entscheidungen. Der Punkt ist: Wir haben es geschafft. Deutschland hat seine Luftqualität dramatisch verbessert, während die Wirtschaft weiter gewachsen ist. Ein historischer Trade-off zwischen Wohlstand und Umwelt wurde gebrochen. Und das ist jetzt nur ein Fall aus Deutschland, in Hannah Ritchies Artikel stecken noch einige Beispiele mehr.

Zukunft ohne Bratwurst?

Schauen wir 15 Jahre zurück. 2011 steigt Deutschland aus der Atomkraft aus und setzt massiv auf Erneuerbare. Die halbe Welt lachte: „Öko-Romantik“, „Deindustrialisierung“, und so weiter… – die Vorwürfe prasselten nur so. Heute kommen fast 60 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen. Solar- und Windenergie sind nicht nur sauber, sondern billiger als fossile Brennstoffe. Wie billig sie momentan sind, ist uns extra eine Erwähnung auf der dritten Seite unseres Kleine-Wesen-Kalenders wert gewesen. Wer ihn noch nicht hat: Zwinker, zwinker, bitte klicken!

Früher mussten Länder wählen zwischen „Menschen aus der Energiearmut holen“ und „Klima schützen“. Heute ist diese Wahl nicht mehr unbedingt nötig. Klar, Deutschland ist nicht 1:1 auf den Rest der Welt zu übertragen und auch klar, wir haben in den letzten Jahren einiges vermasselt. Die Abhängigkeit von russischem Gas, Windkraft hätte trotz allem deutlich schneller ausgebaut werden müssen, die ewigen Debatten… Aber der grundsätzliche Beweis ist erbracht: Dekarbonisierung und Wohlstand sind keine Gegensätze.

Ritchie schreibt auch über Ernährung. Ich ergänze: Die Deutschen und ihr Fleisch sind eine Liebesgeschichte, die langsam kompliziert wird. Der durchschnittliche Deutsche isst immer noch rund 52 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Vor zehn Jahren waren es aber über 60 Kilogramm. Das liegt nicht nur an den Grüüüünen, sondern an Alternativen. Pflanzliche Alternativen werden besser. So gut, dass der Autor dieser Zeilen die Veggie-Bolognese der echten vorzieht, und das mag was heißen. Viele, die vor zehn Jahren ihren ersten Veggie-Burger probiert haben und heute einen Beyond- oder Rügenwalder-Burger essen, merken: Könnte schlimmer sein.

Die erste Generation

Natürlich ist nicht alles super. 10 Prozent der Weltbevölkerung leben immer noch in extremer Armut. 300.000 Frauen sterben jährlich bei der Geburt. Fünf Millionen Kinder sterben an vermeidbaren Krankheiten.

Aber – und das ist das entscheidende Aber – es ist so viel besser als früher. Und es kann noch viel besser werden. Wir haben die Werkzeuge. Ritchies Botschaft ist am Ende simpel: Wir könnten tatsächlich die erste Generation sein, die menschliches Wohlergehen verbessert UND die Umweltbelastung reduziert. Gleichzeitig. Das ist in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nie gelungen.

Keine Garantie, dass das klappt. Es hängt davon ab, ob wir die richtigen Entscheidungen treffen, in die richtigen Technologien investieren und Ressourcen klug verteilen. Aber die Möglichkeit ist da. Und allein das sollte Grund genug sein, morgens aufzustehen und weiterzumachen – statt in Klima-Angststarre zu verfallen.

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